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MenCare? MenCare!

MenCare ist eine globale Kampagne zur Stärkung väterlicher Präsenz und männlicher Fürsorge. männer.ch bringt die Kampagne als Dachverband Schweizer Männer- und Väterorganisationen jetzt in die Schweiz: 22 Teilprojekte laufen unter dem Dach des nationalen Programms MenCare Schweiz bereits zum Zeitpunkt der Lancierung am 30. Mai 2016. Die MenCare-Vision: eine Gesellschaft, in der Männer ganz selbstverständlich Sorge tragen und Verantwortung übernehmen für Kinder, Beziehungen und sich selbst – eine Gesellschaft, in der männliche Fürsorge entscheidend dazu beigetragen hat, gerechte Geschlechterverhältnisse und soziale Gerechtigkeit zu verwirklichen. 

Was ist das nationale Programm MenCare Schweiz?

MenCare Schweiz ist ein nationales Programm, das von männer.ch in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Institut für Männer- und Geschlechterfragen getragen und in Kooperation mit einer Vielzahl von Partnerinstitutionen, Unternehmen sowie Frauen-, Familien- und Kinderschutzorganisationen umgesetzt wird. Möglich macht dies die Unterstützung von grossen Förderstiftungen, Bund und Kantonen.  

MenCare ist eine globale Kampagne zur Stärkung väterlicher Präsenz und Fürsorge. Getragen von der Organisation Promundo und unterstützt von der Stiftung OAK ist sie bereits in 35 Ländern auf 5 Kontinenten aktiv. Ihre Mission: Alltagsnahen väterlichen Einbezug als Schutzfaktor gegen familiäre Gewalt nutzen.

männer.ch ist als Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen von der Stiftung OAK im Jahr 2013 mit der Aufgabe betraut worden, in Zusammenarbeit mit dem neu gegründeten Schweizerischen Institut für Männer- und Geschlechterfragen (SIMG) die Kampagne in die Schweiz zu bringen. Die beiden als gemeinnützig anerkannten Organisationen haben in einem umfassenden Vorprojekt gemeinsam mit Familien-, Kinderschutz- und Frauenorganisationen sowie in Abstimmung mit den Bundesbehörden den MenCare-Ansatz auf hiesige Verhältnisse angepasst und als Nationales Programm MenCare Schweiz konzipiert.

Das definierte Ziel: MenCare Schweiz forciert einen Wertewandel im Dienst eines verstärkten Care-Engagements von Jungen, Männern und Vätern – und leistet damit einen wesentlichen Beitrag für mehr Schutz, Geborgenheit, Wachstum und Entfaltung von Kindern und Jugendlichen.

Seine Vision: eine Gesellschaft, in der Männer ganz selbstverständlich Sorge tragen und Verantwortung übernehmen für Kinder, Beziehungen und sich selbst – eine Gesellschaft, in der männliche Fürsorge entscheidend dazu beigetragen hat, gerechte Geschlechterverhältnisse und soziale Gerechtigkeit zu verwirklichen.

Warum braucht es MenCare Schweiz?

Für die Gleichstellung der Geschlechter

Die Schweizer Bundesverfassung (Art. 8 Abs. 3) schreibt unmissverständlich fest: «Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Gesetz sorgt für ihre rechtliche und tatsächliche Gleichstellung, vor allem in Familie, Ausbildung und Arbeit. Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.» Dieses Ziel ist noch weit entfernt. 

In der Schweiz werden jährlich rund 16 Milliarden Arbeitsstunden geleistet – gut die Hälfte davon (8.7 Milliarden) sind unbezahlt. Männer wie Frauen leisten insgesamt etwa gleich viel: Die zeitliche Gesamtarbeitsbelastung Schweizer Eltern hängt also nicht vom Geschlecht der Elternteile, sondern vom Alter der Kinder ab. Eltern jüngerer Kinder haben eine insgesamt höhere Arbeitsbelastung.

Aber: Die Verteilung der unbezahlten Arbeit zwischen den Geschlechtern ist ungleich: Für die Kinderbetreuung engagieren sich Schweizer Mütter im Schnitt 20.5 Stunden pro Woche, Väter 13 Stunden pro Woche. Für die Betreuung Erwachsener investieren Frauen im Schnitt 10.7 Stunden, Männer 7.6 Stunden pro Woche. Noch deutlicher sind die Unterschiede im Bereich professioneller Care-Arbeit. 

Abbildung: Verteilung der Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern (Bundesamt für Statistik 2009, eigene Darstellung)

Auf Männerseite zeigt sich dabei ein Spannungsfeld. Zwar sind Ansätze von Veränderungen zunehmend sichtbar. So engagiert sich der durchschnittliche Schweizer Vater 2010 jede Woche rund 2,5 Stunden mehr für Kinder und Haushalt als vor zehn Jahren (Bundesamt für Statistik 2009). Dafür hat er aber seine Erwerbsarbeitszeit nicht reduziert. Nach wie vor geht er in der Regel einer Vollzeit-Erwerbstätigkeit nach. Auch heute arbeiten immer noch 89 von 100 Vätern kleiner Kinder Vollzeit (2000: 94 von 100) (ebd.). Gleichzeitig äussern aber 90 von 100 Männern den Wunsch nach einer Arbeitszeitreduktion und sind bereit, dafür Lohneinbussen in Kauf zu nehmen (Meier-Schatz 2011).

So bleibt vorderhand auch die Verteilung der Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern ungleich: Männer leisten wesentlich mehr Erwerbsarbeit als Frauen. Diese Diskrepanz ist in der Schweiz so gross wie in keinem anderen europäischen Land (Scambor 2012, Seite 45).

Für den Schutz und die Entwicklung der Kinder

Gemäss Schweizer Daten aus dem Jahr 2009 sind insgesamt 22% der Mädchen und 8% der Jungen bis zum Alter von 15 Jahren Opfer von sexuellem Missbrauch mit Körperkontakt geworden (Averdijk 2012). Alltagsnahe Väterlichkeit ist dabei in zweifacher Hinsicht ein Schutzfaktor. Einerseits korreliert die Wahrscheinlichkeit übergriffigen Verhaltens seitens der Väter selbst negativ mit deren paternal involvement. Andererseits stärkt eine enge Beziehung zum Vater das Kind: ŸKinder involvierter Väter sind sozial kompetenter, haben mehr schulischen Erfolg, sind psychisch robuster und leiden seltener unter Depressionen, Ängsten und Selbstzweifeln. Söhne involvierter Väter werden seltener kriminell und brechen seltener die Schule ab. ​

Das Programm MenCare wird von der Stiftung OAK nicht nur in der Schweiz im Rahmen des strategischen Schwerpunkts child abuse protection unterstützt. Die strategische Überlegung: Gewalt und sexuelle Übergriffe durch Väter bedingen eine «verobjektivierende» Distanz zum Opfer des Missbrauchs. Väterliche Fürsorge jedoch schafft eine Nähe, welche genau diese Distanznahme verhindert.  

Für die Sicherheit der Familie

​41.9 Prozent der Ehen in der Schweiz werden geschieden (Bundesamt für Statistik 2014); in städtischen Zentren sind es über 50 Prozent. In rund 40 Prozent der geschiedenen Ehen verliert sich die Vater-Kind-Beziehung innert der drei Jahre nach Scheidung; weitere 35 Prozent der Vater-Kind-Beziehungen verlieren ihre Regelmässigkeit (Tazi-Preve 2007).

Paternal involvement während des familiären Zusammenlebens wirkt dabei als zweifacher Schutzfaktor: Einerseits stärkt eine egalitäre Aufgabenverteilung zwischen den Elternteilen die Stabilität der Familie. Umgekehrt verringert sie die Wahrscheinlichkeit von Trennung und Scheidung resp. erhöht im Fall von Trennung und Scheidung die Wahrscheinlichkeit einer kooperativen Neuorganisation des familiären Systems (Bürgisser 2006). Andererseits erhöht eine enge Bindung zwischen Vater und Kind vor Trennung und Scheidung die Wahrscheinlichkeit einer langfristig stabilen Vater-Kind-Beziehung auch nach Trennung und Scheidung (Ballnik et al. 2005).

Für die berufliche Entwicklung der Mütter

ŸJe mehr sich Väter während und nach der Geburt engagieren, umso ausgeprägter ist ihre Bindung zum Baby und umso intensiver nehmen sie am Aufwachsen des Kindes teil. Männer, die eine längere Elternzeit beziehen, entwickeln insgesamt eine stärkere Familienorientierung. Väter, die sich gleich nach der Geburt engagieren, sind auch nach einem Jahr mit signifikant höherer Wahrscheinlichkeit engagierte Väter (gemessen an der Häufigkeit, in der sie nachts selber aufstehen, um das Kind zu beruhigen). Dieses Engagement ihrer Partner macht sich – wen wundert's – für deren Frauen bezahlt: Müttern mit engagierten Vätern gelingt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wesentlich besser. Sie haben entsprechend bessere Berufs- und Gehaltsaussichten. Einfach gesagt: Väterliches Engagement ist die beste Sicherheit, damit die Traditionenfalle nicht zuschlägt – und sich nach der Familiengründung die Lohnschere zu Ungunsten der Frauen öffnet. 

Abbildung: Lohnentwicklung nach Alter und Geschlecht (BfS 2010). 

Für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Männer

Sozialepidemiologisch betrachtet existieren massive Geschlechterunterschiede. So liegt die Lebenserwartung der Männer deutlich unter derjenigen der Frauen, wobei die aktuell um 4.3 Jahre geringere Lebenserwartung der Männer (BfS 2013) eng mit einem risikofreundlichen «männlichen» Lebensstil verbunden ist, welcher auch die überdurchschnittliche Sterblichkeit der jüngeren Männer aufgrund von Unfällen, Suiziden und Gewalteinwirkungen (mit) zu erklären vermag. Deutliche Geschlechterunterschiede lassen sich europaweit insbesondere auch für insbesondere bei Herzerkrankungen, Krebs (v.a. Lungenkrebs) und Erkrankungen der Leber feststellen (European Commission 2011).

Internationale Studien zeigen demgegenüber, dass Männer mit hohem Engagement in Familie und Kinderbetreuung eine höhere Lebenserwartung haben, weniger psychische Beeinträchtigungen und geringere Erkrankungsrisiken u.a. im Bereich des hohen Blutdrucks und der Herzkreislauf-Erkrankungen.

Wie soll das nationale Programm MenCare Schweiz Wirkung zeigen?

MenCare stellt sich in den Dienst eines stärkeren Care-Engagements von Männern und der fairen Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern. Damit die Veränderung gelingt, braucht es eine Wertedebatte und den Wertewandel. Dies will das nationale Programm MenCare Schweiz anstossen. 

Alle Belastungen und Ressourcen zwischen den Geschlechtern fair zu verteilen heisst, die Verantwortung für bezahlte und unbezahlte Arbeit zwischen Männern und Frauen hälftig zu verteilen. Nimmt man keine exklusive biologische Neigung von Frauen zur Familien-, Haus- und Pflegearbeit an – und diese Annahme lässt sich heute kaum mehr ernsthaft vertreten – führt an dieser Schlussfolgerung kein Weg vorbei.

Doch wie soll das gehen? Indem Frauen mehr Erwerbsarbeit und Männer mehr Care-Arbeit leisten. Um Ersteres, die Versorgung des Arbeitsmarkts mit weiblichen Humanressourcen, kümmert sich bereits der Staatsapparat konzertiert im Rahmen seiner FachkräfteInitiative. Die notwendige komplementäre Bewegung – die Ermöglichung und Ermutigung von mehr Sorge-Arbeit von Männern – blendet er hingegen ganz aus. Hier springt MenCare in die Lücke. 

Die MenCare-Analyse basiert auf einem Modell zur Umverteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern. Die MenCare-Strategie baut auf einem Wirkungsmodell auf.  

Aus welchen Teilprojekten und Modulen besteht MenCare Schweiz genau?

MenCare ist eine globale Kampagne zur Stärkung väterlicher Präsenz und männlicher Fürsorge. männer.ch bringt die Kampagne als Dachverband Schweizer Männer- und Väterorganisationen jetzt in die Schweiz: 22 Teilprojekte laufen unter dem Dach des nationalen Programms MenCare Schweiz bereits zum Zeitpunkt der Lancierung am 30. Mai 2016. Die MenCare-Vision: eine Gesellschaft, in der Männer ganz selbstverständlich Sorge tragen und Verantwortung übernehmen für Kinder, Beziehungen und sich selbst – eine Gesellschaft, in der männliche Fürsorge entscheidend dazu beigetragen hat, gerechte Geschlechterverhältnisse und soziale Gerechtigkeit zu verwirklichen. 

Handlungsfeld 1: Grundlagen 

Handlungsfeld 2: Öffentlichkeit 

Handlungsfeld 3: Politik 

Handlungsfeld 4: Institutionen und Unternehmen

Handlungsfeld 5: sozialer Nahraum

Was versteht MenCare Schweiz unter Care-Arbeit?

MenCare wendet einen breiten Care-Begrif an. Im Zentrum steht zwar die Forderung nach einem vermehrten Engagement der Väter in der Kinderbetreuung. Konzeptuell stützen wir uns aber auf ein Modell, das neben der Erwerbsarbeit und der Kinderbetreuung sieben weitere Facetten «sorgender Männlichkeiten» benennt. 

MenCare bezieht sich auf den Begriff und das Konzept der Caring Masculinities. Er bezeichnet ein fachliches Konzept, das zugleich geschlechterpolitische Strategie und individuelle Identitätsoption ist. Dabei steht die fachlich und politisch hochaktuelle Frage im Zentrum, welche Politiken welche Rahmenbedingungen schaffen können und müssen, um ein verstärktes Care-Engagement von Männern zu fördern – und damit zur gerechten Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit beizutragen. Caring Masculinities öffnen ein weites Feld, das die väterliche Kinderbetreuung genau so einbezieht wie männliche Selbstsorge, die Beteiligung in der Hausarbeit, das professionelle Engagement von Männern in Care-Berufen, die Pflege kranker Angehöriger oder das ehrenamtliche Engagement von Männern in Gemeinde, Kirche und Vereinswesen. Das Thema zielt deshalb auch nicht nur auf die Gleichstellungspolitik. Es spricht ebenso Arbeitsmarkt-, Sozial-, Gesundheits-, Familien- und Bildungspolitik an und lädt zur Diskussion ein, welches Potenzial «Politiken für sorgende Männlichkeiten» (politics of caring masculinities) zur Lösung politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen jenseits der Gleichstellungsfrage haben.

Konzeptuell stützen wir uns auf ein Modell zur Definition von Caring Masculinities, das neun Dimensionen unterscheidet (Theunert 2016): Materielle Sorge; Professionelle Care-Beiträge; Selbstsorge; Sorge um die Natur/Umwelt; Sorgebeiträge für die Gemeinschaft / Freiwilligenarbeit; Sorge um Dritte; Betreuung von Angehörigen; Betreuung von Kindern; Besorgen des Haushalts. Das gemeinsame Fundament sind das Bezogen- und Verantwortlichsein als Kompetenz und Haltung. 

Wer finanziert MenCare Schweiz?

Das nationale Programm MenCare Schweiz wird finanziert durch vier grosse Förderstiftungen, durch Eigenleistungen sowie durch Beiträge von Bund und Kantonen. Das Budget für die erste Programmphase 2015-2017 beträgt CHF 1'800'000.-. 

Das nationale Programm MenCare Schweiz und seine Teilprojekte werden ermöglicht durch die Unterstützung von:

OAK Foundation
Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft
Stiftung Mercator Schweiz
Jacobs Foundation
Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz (Fonds Innovative Projekte)
Lotteriefonds der Kantone ZürichBasel-Stadt und Schaffhausen
Bundesamt für Sozialversicherungen
Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann
Bank Coop (Sponsor)
Kampaweb (Sponsor)
Kampagnenforum (Sponsor)

Kontakt

Markus Theunert

ist Leiter des nationalen Programm MenCare Schweiz und Ihr Ansprechpartner für alle Fragen und Anregungen zum ganzen Programm, seiner Strategie und Weiterentwicklung. 

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Markus Theunert

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