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Stimmt das?

Vaterschaftstests sind illegal

In der Rubrik «Stimmt das?» überprüfen wir gängige Vorurteile und andere Behauptungen auf ihre (wissenschaftliche) Haltbarkeit. Heute: Vaterschaftstests sind illegal.

Markus Theunert 17.06.2016

Das stimmt weitgehend. Generell gilt: Heimliche oder anonyme Vaterschaftstests sind gemäss Bundesgesetz über genetische Untersuchungen am Menschen (GUMG Art. 36) verboten. Ein Vaterschaftstest zur Klärung der Abstammung darf nur nach freiwilliger und schriftlicher Zustimmung aller untersuchten Personen erstellt werden. Geht es um ein unmündiges Kind, braucht es eine schriftliche Zustimmung der Mutter.

Das klingt aus Männersicht doch sehr verstörend: Die Mutter des Kindes entscheidet für das Kind allein – und hat damit ein Vetorecht in der Hand, um jegliche unliebsame Nachforschung abzuwürgen. Die mütterliche Entscheidungsbefugnis wird dabei mit dem Kindswohl begründet. Die abenteuerliche Argumentation: Weil der Vater zwangsläufig nicht nur das Kindswohl, sondern auch seine eigenen Interessen verfolgt, könne er nicht im Sinn des Kindswohls entscheiden. Dass die Mutter genauso zwangsläufig in der gleichen Situation ist, wird vom Gesetzgeber geflissentlich übersehen. 

Der Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner stösst sich daran: «Ein Vater sollte das Recht haben zu erfahren, ob er tatsächlich der leibliche Verwandte eines Kindes ist. Einerseits kann er dies aus emotionalen Gründen wollen, und andererseits ist er vielleicht nicht bereit, ein Kind, das nicht sein eigenes ist, jahrelang zu unterstützen», schreibt er in einer Anfrage an den Bundesrat. Dieser erkärt diese Praxis wie folgt: Es sei Aufgabe des Laboratoriums, «die Zustimmung der Vormundschaftsbehörde (heute: Kindesschutzbehörde) einzuholen, wenn bei der Mutter Indizien für eine Interessenkollision erkennbar sind. Der Beizug der Kindesschutzbehörde kann von jedermann gewünscht werden und ist namentlich auch in Fällen möglich, in denen der Vater eine Klärung der Vaterschaft verlangt, die Mutter aber die Zustimmung zur Klärung verweigert. Der Vater kann in solchen Fällen die Kindesschutzbehörde anrufen, welche in der Folge prüfen muss, ob die Weigerung der Mutter auf einem Interessenkonflikt beruht und dem Kindeswohl widerspricht.»

Gegen den Willen der Mutter geht nichts. Fast nichts. 

Die Klärung der Abstammung auf alleinigen Wunsch des Vaters ist also bereits heute ohne Gerichtsurteil und auch ohne Einwilligung der Mutter möglich, sofern bei einem Interessenkonflikt zwischen Mutter und Kind die KESB zustimmt. Ob dies auch in Zukunft so bleiben soll, ist offen, denn das GUMG befindet sich zur Zeit in Revision. Dabei gibt der Bundesrat widersprüchliche Signale: «Der Bundesrat ist nicht gewillt, heimliche Vaterschaftstests und damit die Abklärung der Abstammung zuzulassen, ohne dass der Schutz der Interessen des betroffenen Kindes durch die Zustimmung der Mutter oder den Beizug der Kindesschutzbehörde bzw. eines eingesetzten Beistandes gewährleistet wird», schreibt er einerseits. Aber «sollte die Anfang 2015 stattfindende Vernehmlassung ergeben, dass eine Anpassung der Rahmenbedingungen für die Klärung der Abstammung angezeigt ist, wird sich der Bundesrat einer Diskussion nicht verschliessen.»

Das zuständige Bundesamt für Gesundheit informiert, dass bis Frühjahr 2017 ein Vorschlag an das Parlament gerichtet werde. Der Bundesrat habe die Eckpfeiler in seiner Mitteilung über das weitere Vorgehen im Februar formuliert. «Mehr können wir Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht sagen», erklärt BAG-Mediensprecherin Katrin Holenstein. 

Für den Dachverband Schweizer Männer- und Väterorganisationen männer.ch wäre die Zeit reif für eine neue Lösung. In seiner Stellungnahme zur Revision des GUMG hält der Verband fest: «Ein Recht auf Kenntnis der biologischen Verwandtschaft zwischen Eltern und Kind soll zu jedem Zeitpunkt existieren und grundsätzlich unabhängig des Willens des anderen Elternteils durchgesetzt werden können, sofern keine wirklich schwerwiegenden Gründe dagegen sprechen. Wichtig: männer.ch verbindet mit dieser Forderung nach Gewissheit über biologische Elternschaft/Vaterschaft keine unmittelbare Forderung hinsichtlich der Rechtsfolgen, welche hochkomplex und individuell sind und einer sorgfältigen Abwägung bedürfen, wie das Kindswohl im Spannungsfeld von biologischer und sozialer Vaterschaft resp. Väterlichkeiten am besten gewährleistet werden kann. Es geht uns einfach darum, die Geltung eines Menschenrechts – die Kenntnis der eigenen Abstammung und Elternschaft – auch für Männer/Väter einzufordern.»

 

 

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